Wie können Gruppenchats genutzt werden?

Voraussetzungen

Lassen es die dienstrechtlichen Rahmenbedingungen zu und entschließen sich Lehrer, WhatsApp (trotz anderslautender AGB) oder Facebook zur Kommunikation mit ihren Schülern zu nutzen, sollten noch folgende Punkte geklärt werden:

  • Können alle Schüler über die Gruppe erreicht werden? Ist sichergestellt, dass alle Informationen, die digital vermittel werden auch tatsächlich alle Schüler erreichen? Eventuell müssen weitere digitale und analoge Informationsmöglichkeiten genutzt werden.

  • Sind alle Schüler mit einer gemeinsamen Gruppe einverstanden? Kein Schüler sollte "gezwungen" werden, sich bei einem Sozialen Netzwerk anzumelden oder einer Lehrer-Schüler-Gruppe beizutreten. 

  • Unabhängig von einer Gruppe, an der ein Lehrer beteiligt ist, sollte noch eine weitere Gruppe - ohne Lehrerbeteiligung - vorhanden sein, in der die Schüler "unter sich" sind.

  • Bei Facebook sollten Lehrer und Schüler ihre Privatsphäre-Einstellungen so vornehmen, dass persönlichen Inhalte nicht öffentlich einsehbar sind.

  • Viele Eltern nutzen WhatsApp oder Facebook. Gleichzeitig stehen sie dem Mediennutzungsverhalten ihrer Kinder oft skeptisch gegenüber. Wird eine "digitale Klassengruppe" eingerichtet, sollten Eltern darüber informiert werden: Welche Inhalte werden hier kommuniziert? Wann sind Lehrer erreichbar? Welche Regeln gelten hier?
    Wenn Eltern frühzeitig einbezogen werden, können Fehleinschätzungen oder überzogene Erwartungen vermieden werden. Oft eignet sich auch ein Elternabend zum Thema "Digitale Medien", um die Nutzung von Facebook und WhatsApp zu schildern.

  • Lehrer sollten sich bewusst sein, dass bei der Nutzung von Gruppen über WhatsApp die eigene Handynummer bekannt wird und auch weitergegeben werden kann. Eine Alternative wäre hier ein Dienst- bzw. ein zweites Handy. 

  • Auch hier gilt es zu bedenken, dass digital veröffentlichte Inhalte jederzeit weitergeleitet werden und so auch den privaten Kommunikationsraum zwischen Lehrer und Schülern verlassen können. 

Welche Vorteile bieten "digitale Gruppen"?

Lehrer, die Gruppenfunktionen nutzen, nennen häufig diese Vorteile: 

  • Mailverteiler erreichen nicht alle Schüler, da nicht alle eine Mailadresse haben oder Mails nur selten abrufen. Inhalte, die per Mail an Schüler übermittel werden, mit der Aufforderung, den Inhalt in eine WhatsApp-Gruppe zu posten, werden nicht immer weitergeleitet. Auch "Telefonketten" erweisen sich als unzuverlässig.
    Allerdings nutzen nahezu alle Schüler, zumindest ab der weiterführenden Schule, WhatsApp oder Facebook. Eine Nachricht in der Klassengruppe wird von allen Schülern zur Kenntnis genommen.

  • Fragen aus der Klasse können von der Lehrkraft schnell in der Gruppe für alle beantwortet werden.

  • Wird für den Klassenausflug ein Ausweis benötigt? Fällt eine Stunde aus? Was gilt es für den Unterricht mitzubringen? Wird ein Termin verschoben? Absprachen können alle Schüler über einen Gruppenchat schnell erreichen.

  • Können Schüler nicht am Unterricht teilnehmen oder verspäten sich, kann die Klassengruppe Auskunft darüber geben und die anderen Schüler und den Lehrer darüber informieren.

Welche Regeln sollten getroffen werden?

Werden von Lehrern und Schülern gemeinsam Regeln zur Nutzung einer Gruppe vereinbart, kann dies zu einer gelingenden Kommunikation beitragen. 

  • Gruppenchats sind nicht für eine persönliche schulische Beratung gedacht – ein persönliches Gespräch kann nicht über (digitale) Medien stattfinden.

  • Digitale Klassengruppen mit Lehrern sind kein privater Chat unter Schülern. Persönliche Inhalte wie Fotos, Videos, Links zu Websites, Weiterleitungen von Inhalten anderer, Kommentare über Kollegen usw. sollten hier Tabu sein. Auch Statusmeldungen (zum Beispiel, wo sich jemand gerade befindet, was er gerade tut) gehören nicht in eine Klassengruppe, an der ein Lehrer teilnimmt.

  • Lehrer sollten die Nachrichten in der "Lehrer-Klassengruppe" durchsehen. Werden die Absprachen eingehalten, sind es nur die notwendigen Informationen und Fragen, die hier gepostet werden und der Aufwand ist einigermaßen gering.

  • Sollten hier doch einmal Inhalte zu sehen sein, die eigentlich eher in den privaten Bereich der Schüler gehören, sollten Lehrer verständnisvoll reagieren.  

  • Werden allerdings Inhalte gepostet, die als herabsetzend und beleidigend etc. verstanden werden können, sollte in jedem Fall ein persönliches Gespräch gesucht und eventuell weitere Möglichkeiten genutzt werden. Über diese Schritte sollten Schüler bei der Besprechung von gemeinsamen Regeln informiert werden.

  • Persönliche Informationen, zum Beispiel Meinungen, Kommentare oder Bilder sollten von Lehrern nicht in Klassengruppen veröffentlicht werden.

  • Lehrer sollten eine Klassengruppe nicht zur persönlichen Kommunikation mit Schülern nutzen, z.B. um einzelne Schüler dazu aufzufordern, ihre Hausaufgaben zu erledigen oder mehr zu lernen, um das Klassenziel noch zu erreichen.

  • Das eigene Profilbild von Lehren ist in Gruppen sichtbar und sollte dementsprechend ausgewählt werden.  Das gilt natürlich auch für Schüler innerhalb der Gruppe. Gegebenenfalls darf hier auf eine entsprechende Motivwahl hingewiesen werden. 

  • Bei Facebook gilt für Lehrer: Außerhalb der Gruppe sollten keine persönlichen Profile der Schüler "durchstöbert“ und ihre Privatsphäre respektiert werden.

  • Ein Gruppenchat suggeriert, dass Nachrichten sofort gelesen und schnell beantwortet werden und alle Beteiligten ständig erreichbar sind. Um aber für Lehrer und Schüler Stress zu vermeiden, sollte vereinbart werden, dass Nachrichten nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit gepostet, abgerufen und beantwortet werden. 
0 Bewertungen
0 Kommentare

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 01.06.2017]


Diesen Artikel bewerten
absenden

Schwerpunkt

Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts "Kommunikation mit Schülern über WhatsApp und Facebook?"

Fragen?
Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Internet-ABC oder zu einzelnen Themen und Materialien? Wir helfen Ihnen gerne weiter! ​
button-icon
Abschicken
button-icon
E-Mail schreiben