Snapchat für Kinder?

Freunde adden bei Snapchat; Bild: Internet-ABC
Freunde adden bei Snapchat; Bild: Internet-ABC

Was ist Snapchat? Was sollte bei der Nutzung von Snapchat beachtet werden? Ab welchem Alter ist Snapchat geeignet?

Die JIM-Jugendstudie 2015 des Medienpädagogischen Medienverbunds Südwest (mpfs) zählt Snapchat bereits jetzt zu den vier populärsten Smartphone-Apps deutscher Teenager zwischen 12 und 19 Jahren. Snapchat finden viele Jugendliche attraktiv - aber teilweise ist die App auch schon bei zehn- oder elfjährigen Kindern im Gespräch.

Das Internet-ABC bietet Ihnen auf dieser Seite erste Informationen und weiterführende Linktipps!

Was ist Snapchat und für wen ist Snapchat geeignet (Alter des Kindes)?

Snapchat ist eine Messenger-Anwendung mit vielen Funktionen: Ganz individuell und spontan können Nutzer von unterwegs Videos oder Fotos erstellen und teilen. Sie können sogenannte Emoticons einfügen, vielleicht noch einen Fotofilter nutzen oder Effekte und eigene Zeichnungen verwenden. Inhalte können dabei wahlweise persönlich und in einen allgemeinen Feed versendet werden.

Das Besondere an dieser App ist die Funktion des automatischen "Löschens" der gesendeten Inhalte: Wird ein Bild oder ein Video verschickt, kann der Empfänger die Datei nur für eine bestimmte Zeit (zwischen einer und zehn Sekunden) anschauen. Anschließend löscht sich die Datei von seinem Gerät. Das spontane Versenden von – teilweise auch sehr gewagten – Inhalten scheint damit legitimiert und attraktiv, ohne über die Konsequenzen nachdenken zu müssen. Im Gegenteil, vielmehr wird durch Snapchat das spontane Senden als "unkompliziert" versprochen. "Es lebe der Augenblick!", so das Motto der App.

Das Versenden von Selfies und anderen Inhalten soll als ein authentischer Einblick in das eigene Lebens geteilt werden. Viele Promis nutzen dies und teilen damit vermeintlich ihre "Privatsphäre". Viele Kinder und Jugendliche machen es ihnen nach.

Allerdings: Die App sieht für die Nutzung ein ein Mindestalter von 13 Jahren vor. Jüngere Kinder bekommen die "SnapKids"-Variante angezeigt: Hierbei können aufgenommene Bilder und Videos zwar mit Emoticons und Effekten bearbeitet werden können, ein Versenden über das Internet ist aber nicht möglich. Vielen Kindern erscheint diese Variante daher unattraktiv.

Erste Schritte mit Snapchat

Die Menüführung von Snapchat ist ungewohnt und benötigt beim Einstieg einige Übung für die reibungslose Nutzung. 

Die App lädt Nutzer direkt zur Produktion ein, die Kamera öffnet sich direkt beim ersten Klick. Der Aufbau ähnelt vielen anderen Foto-Apps: Neu sind eine Freundschaftsliste, eine integrierte Chatfunktion sowie das Erstellen von Geschichten ("Stories"). Die Nutzer können ein eigenes Profil anmelden, mit dem sie Inhalte teilen oder auch anderen Nutzern (u.a. Promis) folgen können.

Dem Erstellen von Stories durch mehrere Aufnahmen hintereinander kommt eine besondere Bedeutung in der Nutzung zu. Hier gilt: Nach 24 Stunden löschen sich die Stories automatisch.

Per Touchfunktion entstehen Fotos oder Videos mit einer maximalen Länge von zehn Sekunden. Im angezeigten Bearbeitungs-Bildschirm können die Nutzer die Dauer der Anzeige beim Empfänger (zwischen einer und zehn Sekunden) einstellen. Besonders hoch im Kurs steht das Einfügen von passenden Emoticons; ein ansprechendes Textbearbeitungswerkzeug sowie der Zeichenmodus mit Farbauswähler ermöglichen darüber hinaus die individuelle Aufmachung des Fotos.

Die gestalterischen Möglichkeiten sind so vielfältig, so dass inzwischen von einer eigenen "Snapchat-Ästhetik" gesprochen wird. Und genau diese Palette der Möglichkeiten in nur einer App ist eben der Unterschied zu WhatsApp, Facebook oder YouTube. Die eigenen Inhalte können in der App individuell bearbeitet und versendet werden. Stück für Stück entsteht eine Netzwerk von Gleichgesinnten.

Sicher ist sicher: Privatsphäre-Einstellung auf "Freunde" setzen

Sollten Sie sich mit Ihrem Nachwuchs auf die Nutzung der App einigen, so sollten Sie in den Privatsphäre-Einstellungen unbedingt altersrechte Veränderungen vornehmen. Dazu gehört die Einstellung, dass Snaps mit Freunden möglich sind. Bild- und Videonachrichten können somit nur mit den Personen in der Kontaktliste geteilt werden. Alle Personen in der Kontaktliste sind automatisch auch ein "Freund" bzw. können hinzugefügt werden. 

Verschiedene Filter dienen zur Gestaltung der Snaps. Diese Nutzung ist allerdings standortabhängig und der Zugriff auf die Standortinformationen notwendig - mit Blick auf die persönlichen Daten eine wenig sinnvolle Datenfreigabe. Vor der Nutzung von Snaps kann auch eingestellt werden, wie oft die Snaps nach dem Versenden vom Empfänger angesehen werden dürfen. Auch das Textwerkzeug kann hier aktiviert oder deaktiviert werden. 

Blockieren und Cybermobbing vorbeugen

Unerwünschte Kontakte können zusätzlich in der Kontaktliste gesperrt werden. Ein Zahnradsymbol zeigt, welche Kontakte blockiert sind.

Die Möglichkeiten der App können positive und negativ genutzt werden. Immer wieder passiert es, dass ungewollt oder gewollt Inhalte geteilt werden, die nicht für Dritte bestimmt sind. Möglichkeiten für Cybermobbing sind auch bei dieser App gegeben und sollten vor der Nutzung mit den Kindern gründlich diskutiert werden und damit unangenehmen Situationen vorzubeugen. Dazu gehört besonders der bewusste Umgang mit persönlichen Daten bei der Kommunikation mit anderen Nutzern. Bei jedem geteilten Bild sollte klar sein, was das Teilen bedeutet.

Zur Erinnerung: Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit im Netz und bei der Nutzung von Messenger-Diensten!

Trotz der Sicherheitsvorkehrungen ist ein Missbrauch der Daten immer möglich. Die AGBs ermöglichen Snapchat "eine weltweite, dauerhafte, kostenlose und transferierbare Lizenz, deine Inhalte zu speichern, (...) zu verändern, zu publizieren und öffentlich darzustellen."

Auch das Erstellen eines Screenshots vom Snap ist allen Nutzern möglich und damit auch das Speichern der Bilder. Selbst Anleitungen zum Wiederherstellen der Bilder sind im Netz zu finden. Sogar das Herunterladen der Bilder vor dem Öffnen ist mit anderen Apps theoretisch möglich und zeigt damit, dass die App durchaus Sicherheitslücken aufweist.

Bevor Sie die Nutzung der App gestatten sollten Sie prüfen, welchen Mehrwert der Einsatz genau dieser App hat und ob nicht die Kombination einer Foto-App mit einem Messenger-Dienst wie Threema ausreicht.

Snapchat verstehen, offene Fragen und Linktipps

In Snapchat stecken die aufgezählten Funktionen und dazu die Möglichkeit, anderen Snapchattern zu folgen und deren Inhalte zu sehen. Auch für Kinder und Jugendliche ist dieses Teilhaben am Leben der Anderen eine spannende Möglichkeit. Es dient der Entdeckung und Erweiterung der eigenen Lebensumwelt und zeigt Möglichkeiten der mobilen Kommunikation auf. Einige Stimmen beurteilen die App bereits heute als das neue YouTube. Immerhin: YouTuber bieten inzwischen in ihren Tutorials unzählige Tipps zur Nutzung von Snapchat an.

Der "Medienpädagogik Praxis Blog" bietet Anregungen zu einer eigenen Reflexion. Der Blog spricht mit einer Artikelreihe vornehmlich die Zielgruppe der Medienpädagogen an, sich selbst mit dieser App auseinander zu setzen. Die Reflexion bietet Anregungen, den Einsatz der App im schulischen Kontext zu prüfen. 

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9 Kommentare

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 05.12.2017]


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Lina 27.11.2017 18:50
Es ist schön erklärt aber ich bin 11 und möchte schon gerne Snapchat usw haben, da andere aus meinem Freundeskreis es ja auch benutzen...
Marc 09.11.2017 21:08
Ich bin in 5 Tagen 12 und benutze snapchat seit 2 Jahren!! Und Ach ja über die Risiken weiß ich bescheid Und instagram seit einem Jahr
Kristina 28.10.2017 10:50
Ich finde es sehr blöd , dass snapchat erst mit 13 Jahren geht.
Hendrik 12.10.2017 16:02
Der komplette Text sagt viel über die heutige Jugend aus, zur welcher ich auch gehöre. Es findet unbemerkt eine Verstumpfung der heutigen Jugend statt. Ich finde es toll, dass diese Internetseite vor allem auch über die Risiken von Snapchat informiert !
Matthias 19.08.2017 19:50
Achtung, dieser Beitrag braucht dringend eine Ergänzung! Das mit dem automatisch löschen kann man vergessen. Jedes Kind weiss, wie man einen Printscreen macht und dann ist das erhaltene Foto gespeichert und kann an jedermann weiter gesendet werden. Das gefährliche an Snapchat ist, wenn man denkt, dass das Bild gelöscht wird und so Selfies riskiert wofür man sich später schämt oder gemobbt wird.
Helene 02.07.2017 21:14
Ich bin 11 und kann snapchat noch nicht nutzen ich muss noch 2 Jahre warten
Janine 23.05.2017 15:58
Ich will mit Kinder Spass u.unterhaltung haben
Erleta 15.04.2017 07:29
Ich finde es cool aber es ist blöd wenn man 10 oder 11 ist dann geht es nämlich nicht des wegen gebe ich nur einen Sterne
Stefanie 17.10.2016 20:12
Danke für den Überblick.
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