Abzocke / Kostenfallen

Verkehrschild: Stop, Aufschrift: Abzocke; Bild: Internet-ABC
Abzocke / Kostenfallen

Abzocke im Internet trifft ahnungslose Kinder und Jugendliche besonders überraschend. Eltern stehen ratlos vor Rechnungen, die nach Surftouren ihrer Kinder plötzlich in den Briefkasten flattern.

Wir zeigen im Folgenden auf, mit welchen Methoden unseriöse Geschäftemacher im Internet arbeiten und wie sich unseriöse Praktiken erkennen lassen. Wir geben Tipps, wie Sie sich und Ihre Kinder schützen können und wie Sie sich am besten verhalten, wenn Sie bereits mit ersten Zahlungsaufforderungen konfrontiert werden.

Zu allen Themen finden Sie - wie gewohnt - hilfreiche Linktipps am Ende, darunter auch Musterbriefe und rechtliche Grundlagen, die Sie im Ernstfall unterstützen können.

Die Themen:

In die Falle getappt

Kinder surfen gern im Internet und erforschen, was die digitale Welt ihnen alles zu bieten hat. Gelangen sie dann auf Seiten, die beispielsweise 100 Gratis-SMS, tolle Preise, interessante Test-Ergebnisse oder Klingeltöne versprechen, ist die Freude zunächst groß. Das dazugehörige Online-Formular wird ausgefüllt und das Häkchen zur Akzeptanz der AGBs ist schnell gesetzt. Bis nach unten an den Bildschirmrand scrollen die ahnungslosen Opfer meist nicht - und übersehen versteckte Abo- und Preishinweise, und damit jene Informationen, deren Lesen das unüberlegte Ausfüllen des Formulars sicherlich verhindert hätte.

Da heißt es zum Beispiel, dass der mit der Registrierung angeforderte Testzugang bis 24.00 Uhr des Anmeldetages gekündigt werden kann, danach beginnt der überaus kostenintensive 2-Jahres-Vertrag. Oft schneit nach zwei Wochen eine saftige Rechnung ins Haus und nicht nur die Eltern sind geschockt: Müssen die hohen Gebühren tatsächlich bezahlt werden?

Leider ist das Internet mittlerweile reich bestückt mit solchen dubiosen Angeboten, die es sich zum Ziel gesetzt haben, nichtsahnende Surfer abzuzocken und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Davor sind Erwachsene nicht gefeit, aber gerade Kinder werden besonders häufig Opfer der Abzocke-Masche.

Gerade Kinder sind gefährdet

Kinder und Jugendliche sind eine lohnende Zielgruppe für Seitenbetreiber mit unlauteren Absichten, denn sie sind mit 'kostenlosen' Angeboten leicht zu ködern. Gutgläubig geben sie ihre persönlichen Daten heraus, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken und missachten das 'Kleingedruckte'.

Der Wunsch, die heiß begehrte Musikdatei sofort auf die Festplatte zu laden, online SMS verschicken zu können oder schnell das Test-Ergebnis zur eigenen Intelligenz zu erhalten, ist übermächtig und besiegt die Vernunft. Vertragsregelungen und Lizenzbestimmungen werden gern übersprungen und selten gelesen. Ein schneller Klick auf 'ok', schon hat man die AGBs akzeptiert.

Aus Unsicherheit, mangelndem Wissen um die Rechtslage und Angst zahlen die geneppten Minderjährigen oft sogar - ohne den Eltern davon zu berichten.

Wie gelangt man auf Abzocke-Seiten?

Unseriöse Seitenanbieter sorgen dafür, dass sie im Netz leicht gefunden werden. Wer Stichwörter wie 'kostenlos' oder 'gratis' in Suchmaschinen eingibt, gelangt paradoxerweise fast immer zu kostenpflichtigen Angeboten.

Hinzu kommt, dass die Seiten der Abzocker eng miteinander vernetzt sind. Man verlinkt sich über so genannte Partnerprogramme. Und so landet ein Surfer fast unweigerlich irgendwann einmal auf einem unseriösen Angebot, insbesondere dann, wenn er beim Surfen auch auf Google-Anzeigen oder Werbebanner klickt.

Zudem fungieren Spam-Mails als Köder. Sie werben und locken mit direkten Links für Testseiten oder Routenplaner.

Methoden & Strategien der Abzocker

Noch vor einigen Jahren galt der 'Dialer' als Nummer eins der Kostenfallen. Diesen Platz haben in Zeiten von DSL scheinbar kostenlose und unverbindliche Angebote eingenommen.

Internetseiten mit Vertragsfallen - Abos und versteckte Kosten

Die beliebteste Abzocke-Masche besteht in vermeintlich kostenlosen Angebotsseiten, die auf die verbreitete Meinung, im Netz sei alles gratis, abheben. Die Seiten suggerieren, ihre Angebote seien unverbindlich. Die Kostenpflicht ist versteckt, meist am Seitenende in kleiner Schrift oder einen Klick entfernt.

Ahnungslose Surfer denken, sie würden ein kostenloses Probe-Angebot eingehen oder zunächst nur an einem Gewinnspiel teilnehmen. Mit dem Gewinnspiel werden die Nutzer dazu bewogen, ihre echten Daten einzugeben. Denn um die Gewinner zu benachrichtigen, ist eine korrekte Adresse Voraussetzung, das leuchtet ein. Tatsächlich schliddern sie beim Ausfüllen der Datenmaske unbeabsichtigt in ein kostspieliges Abonnement oder in überteuerte Dienstleistungen.

Wer auf Lockangebote wie tolle Preise, gratis Warenproben, Klingeltöne oder Gutscheine eingeht, erhält tatsächlich ein teures Abo oder den maßlos überteuerten Zugang zu wertlosen Informationen, die zuvor so vielversprechend angepriesen wurden. Wer einzelne Klingeltöne downloaden möchte, hält plötzlich einen langfristigen Vertrag in der Hand. Wer wissen will, wie intelligent er ist, wird mit einer kostspieligen, aber banalen Testauswertung abgespeist. Auch der scheinbar kostenlose Abruf von Referaten, Hausaufgaben oder Sudoku-Rätseln kann richtig teuer werden. Begleicht man die versteckten Kosten, von denen man nichts wusste, nicht, folgen Mahnungen und Drohungen.

Eines ist allen Angeboten immer gemein: Die Inhalte und Leistungen sind ihr Geld nicht wert!

Überzeugen Sie sich einmal davon, wie unseriöse Anbieter ihre Kunden locken. Riskieren Sie zum Beispiel einen Blick auf eine der Seiten, die der Verbraucherzentrale Bundesverband (PDF-Dokument) als 'Kostenfallen' auflistet, und lesen Sie dazu den Kommentar des Verbands.

Vorsicht Falle! - Eine Checkliste

Gelockt wird mit Seiten, die meist nach ähnlichem Muster aufgebaut sind. Unsere 'Checkliste' bietet Ihnen einige Anhaltspunkte dazu.

Die Angebote werden so gestaltet, dass die Kosten und Verpflichtungen, die für den Nutzer entstehen, nicht oder nur schwer zu erkennen sind:

  • Sie werden mit den Adjektiven 'gratis' und 'kostenlos' bedacht.
  • Die Preisinformation wird versteckt, z.B. klein am Seitenende aufgeführt.
  • Ein Anmeldeformular steht im Zentrum, darunter ein Hinweis auf die AGBs zum Anklicken.
  • In Kombination mit der Dienstleistung wird ein Gewinnspiel angeboten.
  • Die Unternehmen haben ihren Geschäftssitz oft im Ausland, haben eine ausländische Unternehmensform (z.B. Ltd.) oder verstecken sich hinter Briefkastenfirmen (siehe Impressum).
  • Frei zugängliche Inhalte gibt es keine oder nur wenige.

Aufbau einer bedrohlichen Szenerie zur Einschüchterung

Ist ein argloser Surfer in die Vertragsfalle getappt, bauen die Seitenanbieter gezielt eine Druckkulisse auf, um die Bezahlung durchzusetzen. Sie nutzen alle Möglichkeiten, um ihrer Zahlungsaufforderung Nachdruck zu verleihen. Dazu gehört folgendes strategisches Vorgehen:

  • Zustellung einer Rechnung, meist nach 14 Tagen, um die Widerrufsfrist auszuhebeln.
  • Drohen mit der gespeicherten IP-Adresse als Beweismittel, die den Nutzer identifizieren kann. (Tatsächlich ist es technisch möglich, dass unter dem Formular die eigene IP Adresse und der Provider angezeigt werden.)
  • Bei Minderjährigen: Verunsicherung durch Aufführung des Taschengeldparagraphen
  • Androhung von Strafmaßnahmen und Betrugsvorwurf wegen falscher Altersangabe
  • Drohung mit der Einschaltung von Inkassobüros, Gerichtsvollziehern und Gerichtsverfahren
  • Mahnungen und wiederholte, verschärfte Zahlungsaufforderungen
  • Schreiben von Anwälten

Viele verängstigte Betroffene bezahlen angesichts dieser Einschüchterungen. Genau das ist das Kalkül der Seitenbetreiber, ihre Rechnung geht auf: Selbst wenn nur wenige der Opfer zahlen, bleibt die Masche für Abzocker ein lukratives Geschäft. Daher unser Tipp: Bezahlen Sie daher niemals sofort, sondern informieren Sie sich erst in Ruhe, welche Schritte in Ihrem Fall zu gehen sind.

Rechtliche Grundlagen

Um sich nicht einschüchtern zu lassen, hilft es, mit den wichtigsten Fakten vertraut zu sein.

Alter und Geschäftsfähigkeit

Nach § 104 BGB sind Kinder, die das siebte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, geschäftsunfähig. Kinder unter sieben Jahren können damit keine wirksamen Rechtsgeschäfte tätigen.

Minderjährige von sieben bis siebzehn Jahren können nur mit Zustimmung ihrer Eltern bzw. Sorgeberechtigten Geschäfte abschließen. Ein Vertrag, zu dem die Eltern nicht zugestimmt haben, sei es im vor- oder nachhinein, ist unwirksam.

Der Taschengeldparagraph

§ 110 BGB ist der sog. Taschengeldparagraph. Er besagt, dass eine generelle Einwilligung der Eltern in kleinere Rechtsgeschäfte besteht. Damit können Kinder z.B. auf eigene Faust etwas Süßes im Laden kaufen.

Der Taschengeldparagraph greift aber nicht bei größeren Geschäften und auch nicht bei solchen mit dauerhafter Bindung wie einem Abonnement. Hier bleibt der Vertrag mit Minderjährigen so lange 'schwebend unwirksam', bis die Eltern eingewilligt haben. Wenn die Eltern nicht zustimmen, kann der Anbieter kein Geld verlangen.

Gültigkeit von Verträgen

Damit ein gültiger Vertrag zustande kommt, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die Preise auf der Internetseite müssen z.B. deutlich erkennbar sein. Sobald die Preisangabe, die zentraler Bestandteil der Vertragsvereinbarung ist, versteckt ist, kommt de facto kein rechtsgültiger Vertrag zustande.

Ein Gerichtsurteil des Amtsgerichts München vom 16. Januar 2007 stellt sich klar auf die Verbraucherseite. Es verneint einen Zahlungsanspruch, den das Unternehmen einer Lebenserwartungstest-Seite durchsetzen wollte. Das Gericht entschied, dass kein Vertrag zustande kommt, wenn sich die Zahlungspflicht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt und nach dem Erscheinungsbild der Website mit einer kostenpflichtigen Leistung nicht gerechnet werden musste.

Insofern haben auch Erwachsene, die auf einen Abzocker im Internet hereingefallen sind, durchaus Chancen, um eine Zahlung herum zu kommen. Es kommt immer auf den konkreten Einzelfall an.

Das Widerrufsrecht

Beim Kauf über das Internet besteht in der Regel ein zweiwöchiges Rückgabe- bzw. Widerrufsrecht. Binnen 14 Tagen kann der Kunde einen Vertrag widerrufen oder Ware zurücksenden. Der Kunde muss ordnungsgemäß über sein Widerrufsrecht belehrt worden sein.

IP-Adresse

Die gespeicherte LinkpfeilIP-Adresse ist kein Beweismittel. Von der IP-Adresse kann nicht ohne weiteres auf den geschlossen werden, der tatsächlich am Computer saß. Außerdem geben die Provider aus Datenschutzgründen nur dann Auskunft an die Seitenanbieter, wenn ein richterlicher Beschluss, zum Beispiel im Falle einer Straftat, vorliegt.

Zudem steht grundsätzlich der Anbieter in der Beweispflicht, das heißt er muss beweisen, DASS ich es war, und nicht ich, dass ich es NICHT war - und das ist nahezu unmöglich für den Anbieter.

Betrugsvorwürfe

Eine Anzeige wegen Betruges, weil ein Kind bei der Anmeldung eine falsche Altersangabe gemacht und sich als volljährig ausgegeben hat, ist aus zwei Gründen nicht zu erwarten: Kinder unter 14 Jahren sind nicht strafmündig, sie können nicht bestraft werden. Um den Strafbestand des (Computer)Betruges zu erfüllen, muss man das Vermögen des anderen vorsetzlich beschädigt haben.

'Vertrag' abgeschlossen - was nun?

So verhalten Sie sich richtig, wenn ihr Kind auf ein Lockangebot hereingefallen ist und Web-Nepper Forderungen stellen:

  • Ruhe bewahren, überteuerte Rechnungen nicht bezahlen.
  • Hinterfragen Sie die Rechtmäßigkeit der Forderungen und informieren Sie sich.
  • Teilen Sie schriftlich mit, dass kein Vertrag zustande gekommen ist und sie die Zahlung sowie Ihre Zustimmung zum Vertrag als Sorgeberechtigter verweigern. Musterschreiben gibt es im Internet (siehe Linktipps am Ende).
  • Zusätzlich sollten Sie den Widerruf des Vertrags erklären, sowie ihn wegen Irrtums anfechten. Da diese beiden Aussagen implizieren, dass tatsächlich ein Vertrag zustande gekommen ist, verwenden Sie unbedingt den Begriff 'hilfsweise' oder 'vorsorglich'.
  • Ein dickes Fell beweisen, alle weiteren Drohbriefe ignorieren. Erst wenn Sie ein gerichtlicher Mahnbescheid erreicht, sollten Sie Widerspruch einlegen und einen Anwalt einschalten. Aber keine Sorge, da die Anbieter wenig klagefreudig sind, dürfte es nicht dazu kommen!
Dialer

Seitdem die Möglichkeiten der Abrechnung von Dienstleistungen über Dialer gesetzlich stark reglementiert wurden und Internetverbindungen zunehmend über DSL genutzt werden, ist es zum Glück schwieriger geworden, Surfer in diese Kostenfalle zu locken. Für DSL-Nutzer sind klassische Dialer keine Bedrohung.

Ein Dialer, ein auf dem Computer installiertes Programm, wählt sich über eine eigene teure Nummer über Modem oder ISDN-Karte ins Internet ein. So lassen sich Dienstleistungen im Internet bezahlen, zum Beispiel der Abruf von Handylogos, Erotikangeboten oder Rezeptsammlungen. Dialer sind praktisch, so lange sie korrekt und seriös eingesetzt werden, da die Abrechnung anonym über die Telefonrechnung erfolgt. Persönliche Daten müssen nicht angegeben werden.

Doch leider missbrauchen Betrüger die Dialertechnik. Im Normalfall wird der Dialer als Download offeriert und vom Nutzer nach dessen Einwilligung installiert. Schwarze Schafe arbeiten mit Tricks: So öffnet sich bereits beim Aufruf einer Webseite ein Download- oder Installationsfenster. Bestätigt der Nutzer die erscheinende Abfrage, wird der Dialer automatisch installiert. Oder Anwender werden auf angebliche Sicherheitslücken aufmerksam gemacht und zum Download eines Programms aufgefordert, um die Lücke zu schließen. Dahinter verbirgt sich aber ein Dialer!

Dialer, die zur Abzocke eingesetzt werden, installieren sich sogar ungefragt und unbemerkt von selbst und verursachen danach horrende Telefonkosten.

Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass der Benutzer vor Download und Einwahl des Dialers seine Zustimmung über eine Texteingabe, z.B. ein 'OK-Feld', geben muss. Unseriöse Anbieter gestalten das OK-Feld extrem groß, den Hinweis darauf, dass über eine teure Einwahlnummer abgerechnet wird, dagegen in winziger Schrift.

Auch über Anhänge von E-Mails werden Dialer-Programme verschickt.

Kostenpflichtige Dialer dürfen seit dem 14.12.2003 nur über die Rufnummerngasse 0900-9 betrieben werden. Sie müssen bei der Bundesnetzagentur registriert sein. Zudem sieht das Gesetz eine Entgeltobergrenze von 2 Euro pro Minute bzw. 30 Euro pro Einwahl vor.

Schutz vor Dialern

Was Sie Ihren Kindern vermitteln sollten:

  • Keine Anhänge und Links aus Spam-Mails öffnen.
  • Vor dem Download oder der Installation eines Programms immer die Eltern fragen.
  • Kein 'OK' eintippen, bevor nicht gemeinsam mit den Eltern das Kleingedruckte gelesen wurde.
  • Startet plötzlich von selbst ein Download beim Surfen: Stecker vom Verbindungskabel ziehen.

Was Sie als Eltern tun können:

  • 0900-er Nummern beim Telefonanbieter sperren lassen.
  • Antivirensoftware aktuell halten, sie erkennt meist Dialer auf der Festplatte.
  • Im Internet Explorer die ActiveX-Funktionen überprüfen und ggf. abschalten (der Weg dorthin: Extras - Internetoptionen - Sicherheit - Stufe anpassen - ActiveX-Steuerelemente und Plugins).
  • Sicherheitslücken im Browser und Betriebssystem regelmäßig stopfen, dazu die Funktion "automatische Updates" aktivieren.
Premium-SMS

Anbieter von Premium-SMS-Diensten haben die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen für sich entdeckt. Im Internet, in Zeitschriften und anderen Jugendmedien bewerben sie Minderjährige heftig.

Bei Premium-SMS handelt es sich um höhertarifierte SMS als Zahlungsmittel. Mit ihnen lassen sich über das Handy Dienste bestellen und bezahlen. Möchte ein Kunde eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, verschickt er eine SMS mit einem vorgegebenen Kennwort an eine bestimmte Premium-SMS-Nummer. Über die Handy-Rechnung wird im Nachhinein abgerechnet.

Um den Klingelton der Lieblingsserie zu erhalten, sendet ein Kind zum Beispiel das entsprechende Kennwort an eine vorgegebene Nummer, wie sie im Fernsehen oder Internet beworben wurde. Für die SMS werden dann beispielsweise 3,99 Euro auf der Telefonrechnung berechnet. Premium-SMS-Nummern sind in Deutschland fünfstellig.

Im Grunde sind Premium-SMS eine praktische Sache. Schwierig wird es, wenn sie von Geschäftemachern gezielt zur Geldschneiderei eingesetzt werden, insbesondere in Verbindung mit Abonnements. Kinder, die einen Klingelton bestellen möchten und das Kleingedruckte nicht lesen, erhalten im Gegenzug einen Vertrag, der ihnen weitere teure Klingeltöne aufdrängt.

Auch kommt es vor, dass mit Hilfe von Lock-SMS Kinder in sogenannte SMS-Chats hineingezogen werden. Am anderen Ende sitzen professionelle Animateure. "Warum meldest Du Dich nicht mehr - hast Du mich etwa vergessen?", heißt es da - und ruckzuck wird eine neugierige Rückfrage verschickt. Antwortet man wiederholt auf solche Flirtangebote, kann es richtig teuer werden.

Seit dem 24. Februar 2007 regelt das Telekommunikationsgesetz (§ 45l TKG) den Einsatz von Premium-SMS für den Abschluss von Abonnements, z.B. für Klingeltöne. Der Anbieter muss eine Warn-SMS verschicken, sobald das Abo mehr als 20 € im Monat kostet. Außerdem muss er vor Beginn über Kosten und Bedingungen des Abos per SMS informieren und der Kunde diese bestätigen.

Aufklärung ist der beste Schutz vor Abzocke

Kinder sollten wissen, welche Kostenfallen im Internet lauern. Sprechen Sie gemeinsam über Fallstricke und mögliche Konsequenzen. Ein Basiswissen über den sicheren Umgang mit persönlichen Daten und ein Bewusstsein dafür, dass auch im Netz nicht alles Gold ist, was glänzt, wappnet vor Abzocke.

Unternehmen Sie gemeinsam einen Ausflug zu typischen Abzocker-Seiten. Das ist für Kinder besonders anschaulich und einprägsam. Nehmen Sie unsere 'Checkliste' (siehe oben) zur Hand und prüfen Sie zusammen einzelne Angebote.

Auch das Stöbern und Lesen in Forumseinträgen betroffener Jugendlicher kann aufschlussreich sein und den gewünschten Lerneffekt mit sich bringen. Hilfreiche Linktipps dazu finden Sie unten.

Diese Regeln sollten Kinder kennen und beachten, damit es nicht zum Schaden kommt:

  • Schnelles Zustimmen per Mausklick ist grundsätzlich tabu.
  • Das Kleingedruckte ist wichtig! Immer erst die Vertragsbedingungen/AGBs ggf. gemeinsam durchgehen, bevor man zustimmt.
  • Niemals personenbezogene Daten unüberlegt preisgeben!
  • Formulare erst nach genauer Prüfung ausfüllen!
  • Immer bis an den unteren Bildschirmrand scrollen und auf versteckte Kostenhinweise achten!
  • Das Impressum prüfen - ist der Anbieter mit echter Postadresse erreichbar?

Ist die Vertragsfalle bereits zugeschnappt, zahlen manche Kinder heimlich aus Angst. Besteht eine Vetrauensbasis und signalisieren Eltern, dass sie auf Seiten der Kinder stehen, trauen diese sich eher von unliebsamen Erfahrungen zu erzählen.

Rechtliche Bestimmungen schränken den Handlungsspielraum dubioser Geschäftemacher nicht umfassend ein. Aber selbst wenn den aktuellen Vertrags- und Abofallen ein Riegel vorgeschoben wird, ist der Nutzer vor neuen Tricks und Kostenfallen nicht gefeit. Denn windige Geschäftemacher entwerfen immer wieder neue Ideen, um ahnungslose Surfer zur Kasse zu bitten.

Wer nicht auf die Abzockmasche eingeht und sich wehrt, hat trotz fehlender Regulierungen gute Karten. Die Verbraucherorganisationen kämpfen auf Ihrer Seite. Informieren Sie sich und vermitteln Sie Ihren Kindern das nötige Wissen, damit sie medienkompetent um Kostenfallen herum navigieren können.


[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 12.01.2009]


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Lernmodul: Sicher surfen

Das Lernmodul im Kinderbereich zeigt dem Nachwuchs, welche Gefahren es im Internet gibt und wie sie umschifft werden können.
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